Sportfechten

Historisches

Im Mittelalter wurde mit scharfen Waffen und ohne Schutzbekleidung gefochten. Der erste Blutstropfen entschied über Sieg und Niederlage. Beim heutigen Sportfechten sind die Waffen abgestumpft und eine vorgeschriebene Mindestkraft löst die elektrische Trefferanzeige aus. Die Entwicklung von Florett, Degen und Säbel geht auf die historischen Waffen zurück. Aus dem schweren Schwert wurde zunächst der leichte Degen. Er war die bevorzugte Duellwaffe seiner Zeit. Damit wird verständlich, warum beim Degenfechten der ganze Körper Trefffläche ist; schließlich kam es nur darauf an, seinem Gegner möglichst schwere Verletzungen beizubringen. Das eigentliche Ziel war es, den Kontrahenten im Duell zu besiegen. Deshalb kam man auf die Idee, beim Training spezielle Stöße auf den Rumpf einzuüben, da diese meist tödlich waren. Darüber hinaus verwendete man zu diesem Training eine etwas leichtere Übungswaffe mit abgestumpfter Spitze. Mit der Zeit machte sich diese Waffe selbständig, heute nennt man sie Florett. Da die abgestumpfte Klingenspitze einem Blütenknopf ähnlich war, nannten die Italiener es "fioretta". Im französischen wurde aus "fleur" (Blüte) "fleuret", und der Begriff Florett war geboren. Der Säbel entstand mehr oder weniger unabhängig von den beiden anderen Waffen, diese Hieb- und Stichwaffe geht im wesentlichen zurück auf Guiseppe Radaelli, einen Fechtmeister aus Mailand.

 

Florett

FlorettDas Florett wird von Damen und Herren gefochten. Die Waffe besteht aus Griff, Glocke und Klinge und hat eine Länge von maximal 110cm bei einer Klingenlänge von 90cm; sein maximales Gewicht beträgt 500g. Sogenannte französische, italienische und orthopädische (Pistolen-) Griffe in verschiedenen Größen werden durch einen Handschutz, die Glocke (Durchmesser 9,5-12 cm), von der Klinge getrennt, die einen rechteckigen Querschnitt hat. Das Florett ist eine reine Stoßwaffe. Nur wenn seine Spitze mit einem Druck von mehr als 500g die gegnerische Trefffläche berührt, wird ein Treffer angezeigt. Die elektronische Trefferanzeige kann gültige von ungültigen Treffern unterscheiden. Der Meldeapparat zeigt mit Grün und Rot die Treffer auf der gültigen Trefffläche an, mit weißen Lampen werden Treffer auf der ungültigen Trefffläche registriert. Leuchten auf einer Seite beide Lampen auf, ist in jedem Falle zuerst die ungültige Trefffläche getroffen, der Treffer wird dann nicht gewertet. Bei einem sofortigen gültigen Treffer wird ein eventuell nachfolgender ungültiger Treffer nicht mehr angezeigt. Die Weste aus Brokatgewebe begrenzt die gültige Trefffläche vom oberen Kragenrand bis zur Leistenbeuge vorn und auf dem Rücken bis zur Gürtellinie. Der Kopf, die Arme und die Beine zählen nicht zur gültigen Trefffläche. Für den ungeübten Zuschauer ist die Beurteilung eines gültigen Treffers nicht leicht, da die Berechtigung eines Treffers beim Florettfechten nach einem bestimmten Regelwerk (Reglement) beurteilt wird. Ausgangspunkt für dieses Regelwerk waren die Bedingungen des Duellgefechts, bei dem es um Leben und Tod ging. Dementsprechend wichtig war es, den Gegner zu treffen, ohne selbst getroffen zu werden. Auf die schützende Rüstung wurde ja schon seit Ende des Mittelalters verzichtet. Es war somit unerläßlich, einen gegnerischen Treffer zu parieren, bevor man selbst zum Angriff übergehen konnte. Auch war es erforderlich einen Angriff so durchzuführen, daß er für den Gegner eine wirkliche Bedrohung darstellte, um nicht selbst ins Verderben zu rennen. Diese Grundsätze spiegeln sich noch heute in den Regeln des Florettfechtens wieder. Zum Vergleich die Regeln in der heutigen Form: Treffen darf nur, wer angreift oder nach einem abgewehrten Angriff zustößt (Riposte). Abgewehrt heißt in diesem Fall, daß es dem Verteidiger gelungen ist, die Klinge des Angreifers mit seiner eigenen aus dem Weg zu räumen. Erst jetzt hat der Verteidiger das Recht seinen Gegenangriff zu starten. Treffen jedoch beide Fechter gleichzeitig, so hat der Schiedsrichter (Obmann) zu entscheiden, welcher der beiden Fechter berechtigt war, einen Treffer zu setzen. Natürlich ist diese Entscheidung immer subjektiv und deshalb häufig umstritten. Unterstützt in seiner Arbeit wird der Obmann durch das elektrische Meldegerät, das ihm anzeigt, ob ein Treffer auf oder außerhalb der gültigen Trefffläche gesetzt wurde.

 

Degen

DegenDas Wort Degen kommt aus dem Mittelhochdeutschen "dégen" und bedeutet Dolch. Er gelangte zwischen dem 15. und 17. Jahrhundert über Italien, Spanien und Frankreich nach Deutschland. Auch der Degen ist wie das Florett eine reine Stoßwaffe, die von Damen und Herren gefochten wird. Die Klinge ist im Vergleich zum Florett starrer, sie besitzt einen Dreiecksquerschnitt, und die Glocke ist etwas größer (13,5cm Durchmesser). Der Degen hat eine Maximallänge von 110cm bei einer Klingenlänge von 90cm, ist aber mit einem Gewicht von maximal 770g deutlich schwerer als das Florett. Ein gültiger Treffer erfolgt erst bei einem Stoß mit einem Druck von 750g auf der gültigen Trefffläche. Die Ursprünglichkeit des alten Zweikampfes mit der Waffe, dem Duell, ist hier noch weitgehend erhalten geblieben. Die Trefffläche ist der ganze Körper des Fechters. Eine Spezialität sind Hand- und Fußtreffer. Um auszuschließen, daß ein Stoß auf den Boden einen Treffer auf dem Meldegerät anzeigt, ist über den Boden eine Kupfermatte gespannt, die mit dem Meldegerät verbunden ist. Bei einem sogenannten "Doppeltreffer", der für beide Fechter einen Punkt bedeutet, treffen beide Fechter gleichzeitig mit einer maximalen Zeitdifferenz von ca. 1/25 Sekunde und beide gültige Lampen leuchten auf.

 

Säbel

SäbelDas Wort Säbel kommt aus dem Ungarischen und bedeutet soviel wie einschneidige Hiebwaffe. Bei einer Klingenlänge von 88cm und einer Gesamtlänge von maximal 105cm ist er bei einem Höchstgewicht von 500g etwas kürzer als die beiden anderen Waffen. Er besteht ebenfalls aus Griff, Glocke und Klinge. Letztere hat einen rechteckigen Querschnitt und ist an der Spitze umgebogen. Der Säbel war lange Zeit nur den Herren vorbehalten. Erst 1998 wurden die ersten offiziellen Wettkämpfe im Damensäbel abgehalten. Gültige Treffer werden im Unterschied zu Florett und Degen entweder als Hieb mit der Klingenschneide oder auch als Stich gesetzt. Die Trefffläche ist der Rumpf einschließlich Kopf und Arme oberhalb der Gürtellinie. Auch diese Waffe wird seit 1987 mit elektrischer Trefferanzeige gefochten, die Fechter tragen hierfür eine zusätzliche Brokatbekleidung, die die gültig aufkommenden Treffer auf dem Meldegerät anzeigt.

 

Fechtbahn (Planche)

PlancheDie Fechtbahn kann aus Holz, Linoleum, Kork, Gummi, Kunststoff oder anderen Materialien beschaffen sein. Für Wettbewerbe, die mit elektrischer Trefferanzeige durchgeführt werden, müssen die Fechtbahnen aus Metall (Kupfer) oder anderen elektrisch leitenden Materialien beschaffen sein. Die Fechtbahn selbst ist 14m lang und 1,5 bis 2m breit. Ihre Markierungen sind die Mittellinie, die Startlinien sowie die beiden hinteren Begrenzungslinien. Der Abstand von Mittel- zu Startlinie beträgt jeweils 2m, und von Start- zu hinterer Begrenzungslinie je 5m. Überschreitet ein Fechter mit beiden Füßen die hintere Begrenzungslinie, so erhält er einen Straftreffer (rote Karte). Überschreitet er die seitliche Begrenzungslinie, so darf der Gegner einen Meter vorrücken.

 

Gefecht

Im Gefecht gilt das Gebot "Treffen ohne getroffen zu werden!" Dieses Treffen ist das Ergebnis körperlicher und geistiger Präzisionsarbeit. Ein ständiger Wechsel zwischen Angriff, Verteidigung, Paraden und Finten erfordert Konzentration, Kraft, Ausdauer, Taktik, Reaktionsvermögen, Risikobereitschaft, Logik, Geduld, Entschlußkraft und Willensstärke. Diese Eigenschaften sind beim Fechten immer im Spiel und müssen im Training wie im Wettkampf blitzschnell umgesetzt werden. Vor jedem Gefecht wird die Ausrüstung der Fechter durch den Obmann überprüft. Die Fechter stellen sich an der Startlinie auf und grüßen zuerst den Gegner, danach den Obmann und das Publikum. "Stellung" bzw. "En garde" ist die Aufforderung des Obmanns die Fechtstellung einzunehmen und die Maske aufzusetzen. Nach der Frage "Fertig?" bzw. "Prêts?" des Obmanns kommt die Aufforderung "Los!" bzw. "Allez!" zum Beginnen des eigentlichen Gefechtes. Nun beginnt das Wechselspiel der Klingen mit Angriff und Verteidigung, bis der Obmann das Gefecht nach einem Treffer, einem Regelverstoß oder auch nach Zeitablauf mit "Halt!" unterbricht. Reine Logik ist hier gefragt. Gesucht wird der kürzeste Weg der Waffe, der kleinste Winkel und die unauffälligste Bewegung. Geduld, ein starker Wille und hartes Training sind erforderlich, um dieses logische Denken als Selbstverständlichkeit zu empfinden und im Gefecht gewinnbringend einzusetzen. Der instinktive Reflex wird zur bewußten Aktion. Schnelle Schritt- und Sprungkombinationen vor und zurück steigern den ohnehin rasanten Bewegungsablauf. In Bruchteilen von Sekunden sind Entscheidungen zu treffen. Ständig müssen Aktionen gestartet, Angriffe abgewehrt und Strategien entwickelt werden. Die eigenen Stärken und Schwächen muß man schon sehr gut kennen, um sich auf die ständig neuen Situationen und Partner optimal einzustellen. Ganz egal, ob man gewonnen oder verloren hat, es heißt die Entscheidung mit Haltung zu akzeptieren. Mit Handschlag bedankt man sich beim Gegner für das faire Gefecht und beim Obmann für die gute Kampfleitung.

 

Gefechtsdauer und Trefferzahl

Bei allen drei Waffen wird in Rundengefechten bis auf fünf Treffer gefochten. Die maximale reine Gefechtszeit beträgt drei Minuten. Steht das Gefecht nach dieser Zeit unentschieden, so wird ausgelost, welcher Fechter gewonnen hat, wenn innerhalb einer Kampfverlängerung von einer Minute kein weiterer Treffer fällt. In der Altersklasse Schüler wird nur auf vier Treffer gefochten (die reine Kampfzeit beträgt ebenfalls drei Minuten). Lediglich Gefechte in der Direktausscheidung und im Finale (A-Jugend und älter) werden auf fünfzehn Treffer gefochten, wobei die reine Kampfzeit maximal dreimal drei Minuten mit einer je einminütigen Pause dazwischen beträgt. Die B-Jugend ficht hier bis auf zehn Treffer bei einer maximalen Kampfzeit von zweimal drei Minuten. Steht das Gefecht nach dieser Kampfzeit unentschieden, so wird analog zu den Runden verfahren.

 

Sicherheit

Die Frage nach der Sicherheit wird beim Fechtsport immer wieder gestellt. Durch die dynamisch athletische Entwicklung im Fechtsport mußten von der F.I.E. 1986 neue Sicherheitsmaßstäbe an Bekleidung, Fechtwaffen und Fechtweise gesetzt werden. Diese Maßstäbe werden laufend überprüft und von der F.I.E. gegebenenfalls noch erhöht.

 

Verwarnungen und Strafen

Im Fechtsport wird das Fair Play groß geschrieben. Die Regeln sind vom Weltfechtverband, der Fédération Internationale d'Escrime (F.I.E.), zusammengestellt und haben weltweit Gültigkeit. Verstößt ein Fechter während des Wettkampfes gegen diese Regeln, so wird er durch den Obmann mit einer gelben, roten oder schwarzen Karte bestraft. Diese Karten haben die folgenden Bedeutungen und Konsequenzen:

  • Gelbe Karte: Verwarnung bei leichten Verstößen (z.B. Materialfehler usw.)
  • Rote Karte: Straftreffer bei schweren Verstößen oder anstatt der zweiten gelben Karte
  • Schwarze Karte: Ausschluß bei besonders gravierenden Verstößen (z.B. Unsportlichkeit, Manipulation)

 

Vom Anfänger zum Fechter

Beinarbeit - Übungen mit der Waffe - Einzelübungen ("Lektionen") beim Fechtmeister, -lehrer, -trainer oder Übungsleiter - Trainingsgefechte, die im Turnierstil gefochten werden - Start bei einem Fechtturnier. Diese als Aufbau vom Anfänger zum Fechter geschilderte Aufzählung gilt auch für den aktiven Fechter als ständiges Trainingsprogramm. Zudem sind Konditionsgymnastik, Gymnastik und Reaktionsspiele ein fester Bestandteil des Fechttrainings.

Termine

Wegen Umbau unserer Sporthalle finden unsere Trainingseinheiten ab 7. März 2017 jeweils ab 18h in folgenden Hallen statt:

Dienstag - Sporthalle der Realschule Oberesslingen, Ecke Breslauer Str. / Danziger Str., 73730 Esslingen

Mittwoch - Neckarsporthalle, Dammstraße 3, 73728 Esslingen (beim Freibad)

 


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ANFÄNGERKURS

Der nächste Anfängerkurs beginnt am Mittwoch, 21. Februar 2018.

Ort: Neckarsporthalle (Dammstraße 3, 73728 Esslingen beim Freibad).

Damit wir besser planen können, meldet euch bitte vorher per Mail bei unserem Sportwart Eberhard Trautwein an: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!.

Vergesst nicht Eure Sportsachen mitzubringen (Sportschuhe, Sportkleidung)!

Wir freuen uns auf Euch !!!